15°C New York
January 9, 2026
Als wir auf dem Standesamt saßen – Eine Geschichte über Namen, Nerven und Neuanfang
Erzählungen aus dem Familienleben

Als wir auf dem Standesamt saßen – Eine Geschichte über Namen, Nerven und Neuanfang

Mai 2, 2025

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den Tag, als meine Tochter geboren wurde – nicht nur an die Geburt selbst, sondern an den Tag danach. Der Tag, an dem wir zum Standesamt mussten.

Der Himmel war grau, ich hatte vielleicht drei Stunden geschlafen, und meine Freundin war noch im Krankenhaus. Ich trug die Verantwortung, ihre Worte im Kopf: „Vergiss bloß keinen Zettel.“

Zwischen Windeln und Formularen

Im Wartezimmer saßen zwei andere Paare. Alle mit diesen Augenringen, die man nur von Neugeborenen-Eltern kennt. Wir lächelten uns kurz an – so ein unausgesprochenes „Ich weiß, wie du dich fühlst“-Lächeln.

Ich hatte eine kleine Mappe dabei, sorgfältig gepackt: unsere Ausweise, die Geburtsanzeige vom Krankenhaus, die Namen, die wir ihr geben wollten. Zweitname inklusive, weil meine Freundin unbedingt wollte, dass sie „Marlene“ heißt – nach ihrer Großmutter. Ich fand den Namen schön, aber ich war zu müde, um zu diskutieren.

Die Standesbeamtin und das große System

Als ich endlich aufgerufen wurde, saß hinter dem Schreibtisch eine Frau in den Fünfzigern, akkurat frisiert, mit randloser Brille. Der Raum war sachlich, fast steril.

„Sie möchten die Geburt beurkunden lassen?“
Ich nickte.
Sie nahm die Unterlagen, überprüfte alles in einem Tempo, das mich nervös machte.
„Geburtsname der Mutter? Geburtsort? Religion? Kein Eintrag? Gut. Und wie soll das Kind heißen?“
Ich sagte den Namen.
Sie schrieb ihn auf.

Ich weiß noch genau, wie sie ihn dann laut vorlas, ganz nüchtern:
„Elina Marlene Weber, geboren am…“

Und plötzlich, in diesem Moment, wurde es echt. Nicht mehr nur ein Baby, das ich in der Nacht gehalten hatte, sondern ein Mensch mit einem Namen. Ein offizieller Mensch. Eine kleine Existenz, registriert im System.

Der Zauber eines Stempels

Sie druckte das Formular, holte einen dieser kleinen roten Stempel raus, drückte ihn fest auf das Papier – KLACK – und reichte mir die Geburtsurkunde.

Ich weiß noch, dass ich sie mit beiden Händen genommen hab.
Es war so ein unscheinbares Dokument – und gleichzeitig eines der bedeutendsten, die ich je gehalten habe.

Ich hab’s dann noch am selben Tag meiner Freundin gebracht. Sie lag im Bett, Elina schlief auf ihrer Brust. Ich reichte ihr die Urkunde. Sie hat sie nicht mal ganz gelesen, sie hat nur den Namen gesehen – und plötzlich liefen ihr die Tränen.

Und was ich daraus gelernt hab

Ich weiß, das Ganze ist Bürokratie. Ein bisschen langweilig, ein bisschen stur.
Aber ich hab an dem Tag gemerkt, dass Bürokratie nicht immer kalt ist.
Manchmal markiert sie eben genau die Momente, die wir nie vergessen.

Wenn du auch schon mal mit verschwitzten Händen auf dem Standesamt saßt – oder dich fragst, wie sich so ein Moment anfühlt – ich kann dir nur sagen: Zwischen Formularen und Nummernzetteln liegt manchmal richtig viel Gefühl.

Bis bald,
Erich

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert